Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben: Aktuelle Fakten zum Thema aus Unternehmenssicht

Wiedereinstieg: viele Frauen verzichten auf die Karriere
Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des abz*austria  bezieht sich gleich zu Begin der Pressekonferenz auf den bemerkenswertesten Punkt des Gleichstellungsreports der EU-Kommission und auf die Studie des OIF zum Thema „Elternteilzeit aus Sicht betroffener ArbeitnehmerInnen“:  Im Fall, dass durch einen frühen Wiedereinstieg mit wenigen Wochenstunden im Elternteilzeitsystem) schwierige Rahmenbedingungen entstehen - verzichten Frauen eher auf den Job, während Männer eher auf die Möglichkeit verzichten, in Elternteilzeit zu gehen.

An diesem Beispiel zeigt sich die Verbildlichung aller Statistiken. In Österreich sind nur 62,4% der Frauen mit Kindern bis 12 Jahre in Beschäftigung, entgegen  91,4% der Männer mit Kindern. Der Unterschied liegt also bei beachtlichen 29%.

Unternehmenssichtweisen

Vertreterinnen von Unternehmen, Mag.a Sonja Liegler , Personalentwicklerin bei Siemens Österreich und Mag.a Sabine Mlnarsky-Bständig, Leiterin des Personalmanagement  der Ersten Bank, machten deutlich, dass Unternehmen viel tun können, um den Wiedereinstieg für Eltern möglich zu machen und bestmöglich zu gestalten. Die Rahmenbedingungen, die junge Eltern jedoch vorfinden (dazu gehörten vor allem: die geringe Zuverdienstgrenze zum Kinderbetreuungsgeld, sowie die wenigen, oft kaum vorhandenen Kinderbetreuungsplätze) helfen jedoch nicht, diese Wiedereinstiege frühestmöglich zu realisieren.

Siemens und die Ersten Bank stellen unter anderen Angeboten viele verschiedene Teilzeitvarianten zur Verfügung. Bei Unternehmen, die die gewünschte Elternteilzeit jedoch nicht möglich machen, kehren vor allem Frauen viel später als ursprünglich geplant an den Arbeitsplatz zurück. Die Konsequenzen zeigen sich durch Karriereeinbußen.

Sowohl Siemens als auch die Erste Bank realisieren viele Maßnahmen eines wirklich umfassenden „KarenzManagement“, d.h. eine gute Planung des temporären Ausstiegs ihrer MitarbeiterInnen, und können damit zumeist eine frühere Rückkehr ihrer KompetenzträgerInnen ermöglichen. „Der Nutzen einer funktionierenden lebensphasenbezogenen Personalentwicklung für uns als ArbeitgeberInnen liegt vor allem in der Zufriedenheit unserer MitarbeiterInnen. Zum zweiten aber auch darin, dass sich die teuren Ausbildungen, die unsere MitarbeiterInnen bekommen, nur dann rechnen, wenn die Eltern (Mütter) aus der Karenz auch zurückkehren,“ so Mlnarsky-Bständig.
Bei Siemens, einem tendenziell männerdominierten Unternehmen, sei „der Erfolg der vereinbarkeitsfreundlichen Personalarbeit auch daran zu sehen, dass die Bewerbungen von Frauen in den letzten Jahren von 20% auf 30% gestiegen sind“, so Sonja Liegler.

Vorteile von Teilzeit-MitarbeiterInnen

MitarbeiterInnen, die in Teilzeit zurückkehren, so sagten die HR-Managerinnen unisono, wären meist sehr gut organisiert und brächten hohen Einsatz.
Für Personen, die nur mit wenigen Stunden wiedereinsteigen möchten – dies bedingt leider die niedrige Zuverdienstgrenze -, müsste in manchen Fällen sogar ein „neuer Job kreiert werden“, so Mlnarsky-Bständig. Auch den nächsten logischen Karriereschritten stünden die Frauen dann eher zögerlich gegenüber. „Sie sehen sich oft allein für das Familienmanagement verantwortlich und empfinden die privaten Aufgaben als unvereinbar mit ihre Karrieren.“

Dass hier an der gesellschaftlichen „Kultur“ angesetzt werden muss und gesellschaftspolitische Veränderungsprozesse sehr langsam vor sich gehen, wurde vor allem in der nachfolgenden Diskussion mit den MedienvertreterInnen deutlich. – Im Vergleich gibt es solche Diskussionen in den Ländern Zentraleuropas kaum (genannt wurde Rumänien, wo die Erste Bank ebenfalls vertreten ist). Dort zeigen auch Statistiken wesentlich stärkere Frauenerwerbsquoten und weitaus niedrigere Teilzeitquoten auf.

KarenzManagement™-Tools

KarenzManagement™ ist der Ansatz, den das abz*austria  mittlerweile mit Microsoft Österreich, Siemens Österreich, Infineon und anderen Unternehmen umgesetzt hat. Dieser Ansatz hat es ermöglicht, mit ganz konkreten Werkzeugen (Roadmap zur Vereinbarkeit, KarenzManagement-Toolbox, etc.) Vereinbarkeitslösungen für Familien und ArbeitgeberInnen zu finden.
Die individuell an das Unternehmen angepasste KarenzManagement™-Roadmap ermöglicht z.B., dass temporäre Ausstiege (Väterkarenz ebenso wie Mutterschutz und Karenz) von der Planung bis zum Wiedereinstieg vom Personalmanagement so gut begleitet werden, dass die ständige Anbindung des/der MitarbeiterIn an das Unternehmen sowie der Wiedereinstieg für alle zum frühestmöglichen Zeitpunkt realisierbar wird.
„KarenzManagement™ ermöglicht, dass Gleichstellungschancen für Frauen und Männern auf allen Ebenen entstehen. Der  Berufswiedereinstieg für ArbeitnehmerInnen im Handel soll genau so möglich sein,  wie die Schaffung von  Rahmenbedingungen die es braucht, damit Frauen vermehrt Führungspositionen annehmen können,“ so Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des abz*austria. (Textende)

Die Pressekonferenz war sehr gut besucht. Hier eine Ansicht der anwesenden Personen:

anwesende JournalistInnen

Presserückfragen

Dr. Roberta Rastl - abz*austria Chancen für Frauen – Chancen der Wirtschaft
Tel.: +43/1/66 70 300-20
mobil: +43/699/1 66 70 314

e-Mail: pr@abzaustria.at

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