Arbeit und Altern – Was sagt der Arbeitsmarkt zu arbeitsuchenden (Frauen) ab 45??

Es ist nicht mehr neu, dass die demographische Entwicklung alternsgerechte Arbeitsplätze und eine bessere Generationenbalance erforderlich macht.
Die von der EU unter anderem zu dieser Problematik erarbeitete Lissabon Strategie macht als Ziel fest, die Beschäftigungsquote der 55 -64 jährigen bis 2010 auf 50 % anzuheben. In Österreich liegt die Erreichung dieses Ziels noch in weiter Ferne. 2005 lag Österreich lag im OECD Vergleich bei 31,8%.
Aufgeteilt nach Geschlechtern wird ein weiterer Bruch deutlich: Frauen dieser Altersgruppe sind zu 22,9% im Arbeitsmarkt verankert, Männer zu 41,3%.
Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des abz*austria weist darauf hin, dass es „um das Lissabon-Ziel zu erreichen, Strategien und Maßnahmen auf europäischer, nationaler, betrieblicher und individueller Ebene“ braucht. Nur so könne „die Beschäftigungsfähigkeit von älteren ArbeitnehmerInnen erhalten, bzw. die Integration von älteren ArbeitnehmerInnen, die bereits in der Arbeitslosigkeitsfalle stecken, erhöht werden“, so Vollmann weiter.
Strategien auf dem Weg zur alternsgerechten Arbeitswelt
- Individuelle Strategie: Alternsgerechte Aus- und Weiterbildung – ein Leben lang
Das Know-How von ArbeitnehmerInnen mit langjähriger Lebens- und Berufserfahrung gezielt einzusetzen, ist ein wesentlicher Beitrag zum langfristigen Unternehmenserfolg.
„Fest steht, dass mit innerbetrieblicher Gesundheitsförderung und mit Konzepten für „Lebenslanges Lernen“ die MitarbeiterInnenbindung in Unternehmen verbessert, Krankenstände gesenkt und die Produktivität gesteigert werden kann“ erläutert Sine Dachenhausen, Mitarbeiterin des abz*austria.
Sie begleitet seit Sommer 2005 das Projekt „Lern-Lust-Lebenslang“ das im Rahmen der EQUAL Partnerschaft AGEpowerment durchgeführt wird und aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit und des Europäischen Sozialfonds gefördert wird.
In dem vom abz*austria konzipierten Lehrgang „Lernen bewegt“ für arbeitsuchende Frauen über 45 sind das Entwickeln einer positiven Haltung in Bezug auf Lebenslanges Lernen, und das Finden geeigneter, individueller Lernstrategien neben dem Erarbeiten eines neuen Selbstbildes als ältere Arbeitnehmerin zentrale Themen.
Generell setzt das abz*austria seit 15 Jahren auf Weiterbildungs-Konzepte (vorwiegend für Frauen), die nachhaltige Lernstrategien beinhalten. So werden die Teilnehmerinnen in den arbeitsmarktpolitischen Kursen des abz*austria dabei unterstützt, „mit ihren persönlichen Lernerfahrungen zu arbeiten und ihre individuelle Lernmotivation zu finden. Sie erproben und optimieren ihre individuellen Lernstrategien in Projekten mit optimalem Anwendungs- und Praxisbezug“, so Vollmann.
- Strategien auf der Ebene von Unternehmen – Zeit für einen Perspektivenwechsel!
In Unternehmen geht es vor allem darum, so Manuela Vollmann, das „Image der Älteren ArbeitnehmerInnen aufzuwerten, indem nicht auf die älteren Menschen zugeschriebenen Defizite, sondern auf die die Produktivität und das Unternehmensklima fördernden Faktoren im Unternehmen geschaut wird. Dies stärkt darüber hinaus selbstverständlich alle MitarbeiterInnen!“
Das Umschwenken von der defizitorientierten auf eine differenzierte Sichtweise eröffnet Handlungsmöglichkeiten für alle Beteiligten:
- Das Unternehmen profitiert von der Erfahrung und der bleibenden Motivation der älteren MitarbeiterInnen,
- die MitarbeiterInnen können mit einem gestärkten Selbstwert in die professionelle Zusammenarbeit mit den jüngeren KollegInnen gehen,
- und die jüngeren KollegInnen profitieren - gemeinsam mit dem Unternehmen selbst - von der Wissens-Wanderung in der Belegschaft.
- Strategien auf gesamtgesellschaftlicher Ebene: Zeit für eine Imagekorrektur!
Auf der Ebene der „Gesellschaft“, der „Öffentlichkeit“, geht es dem abz*austria vor allem darum, bestehende Stereotype aufzuzeigen und ins rechte Licht zu rücken.
Dies kann mit Kampagnen gelingen, die am Image der Zielgruppe arbeiten. Werden „Ältere“ oftmals als homogene Gruppe wahrgenommen, so können mit differenzierten Bildern von „älteren“ Menschen die vielfältigen Kompetenzen und Fähigkeiten von älteren MitarbeiterInnen herausgearbeitet und gezeigt werden.
Vielfalt von Alter(n) anerkennen!
Werden mittels Kampagnen die Unterschiedlichkeiten zwischen den betroffenen Menschen in der Öffentlichkeit vermehrt wahrgenommen, haben diese wieder die Chance zu zeigen, wer jedeR einzelne „Ältere“ eigentlich ist und was er/sie kann.
Schon eine kleine Gruppe von Frauen, (die beispielsweise an einem Kurs im abz*austria teilnehmen, weist eine große Diversität an Lern-, Berufs- und Lebensbiographien auf. - Das bedeutet gleichzeitig eine Vielfalt an möglichen Zukunftsperspektiven.
Wird das gesehen, kann Wirtschaft sowie Gesellschaft von den Chancen, die in der Diversität liegen, profitieren.

Lösungen für das „Problem-Alter“ liegen in den folgenden Punkten:
- Bilder über das Alter(n) müssen sich verändern: Zuschreibungen und Generalisierungen sind nicht angebracht.
- Es geht um die Entwicklung geeigneter PersonalManagement-Konzepte und um die Umsetzung und Anwendung von Strategien - z.B: AgeManagement
- AgeManagement zielt darauf ab, die Arbeitsfähigkeit der gesamten Belegschaft unabhängig vom Alter vorausschauend zu stärken (Weiterbildung und Qualifikation)
- AgeManagement als Aspekt von Diversity Management umfasst
- das gesamte Spektrum eines innovativen Personal- und Organisationsmanagements
- betriebliches und individuelles Gesundheitsmanagement
- entsprechendes Rekruting
- Weiters geht es um die Entwicklung geeigneter Bildungskonzepte: Weiterbildung und Bildung ist natürlich auch für „Ältere“ wesentlich. - Eine Forderung wäre: Lebensbegleitendes Lernen für alle - unter günstigen Rahmenbedingungen.
- Und zu guter Letzt braucht es umfassende arbeitsmarktpolitische Strategien: Österreich hat hohen Bedarf an weiteren Erprobungen und daran, über die Grenzen zu schauen, und sinnvolle Konzepte für Österreich zu adaptieren.

Presserückfragen
Dr. Roberta Rastl - abz*austria - kompetent für frauen und wirtschaft
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